| Non-Site Specificity | catalogue-text by Georg Schöllhammer |
| Passagen, Gänge, Unterführungen, Flure, Treppen; Transversalen, gebaut aus den Signifikanten der Peripherie: Beton, Teer, Stahl, Fliesen, Steingut, … Unorte, Stätten ohne Aufenthalt, oder nur für einen prekären; Plätze, an denen das Soziale sich gleichsam in die Subjekte zurückzieht, die diese Fluchten durchstreifen, passieren. Maria Theresia Litschauer betritt mit ihrer Fotoserie non-sites ein Terrain, das in unzähligen Kino- und TV-Erzählungen für das Doppelte der Stadt-Natur steht. Architekturformeln des Tiefbaus, aus den Rändern von Stadt, die von Transporten, Produktion von Devianz, Körpern in Bewegung und Nachbildern einer Erfahrung des sich dem Raum und seiner Anordnung gänzlich Unterworfen-Fühlens erzählen, sind es denen diese Fotos genau kadriert nachgehen. In den medialen Ortsbeschreibungen städtischer Räume figurieren derartige Orte als verstörend, ohne angenehmen Platz in und um sie, als Korridore körperlichen Misstrauens, Kulminationspunkte von Flucht und Verfolgung, Aufenthaltsorte von Nicht-Integrierten, sich der „Mitte“ Entziehenden, prädestiniert für Phantasien der Überwachung und des Ausschlusses. Das kalte, oft magere Licht, das sie durchflutet, bedrängt, macht unruhig, hastig. Maria Theresia Litschauer, die dieses Licht zu einem Hauptdarsteller ihrer Serie gemacht hat, bezieht sich im Titel dieser neuen Fotoarbeit auf Robert Smithsons berühmte Rede vom Nicht-Ort, vom non-site. Smithson hatte in dieser künstlerischen Theorie von räumlichen Übertragungen gesprochen, mit non-site einen Ort im Innen gemeint, der auf ein abwesendes Außen verweist. In Litschauers Fotografien findet diese Dislokation, diese Ortsverschiebung auf einer anderen Ebene statt. Die BetrachterInnen werden zu BetrachterInnen von etwas Passagerem im Raum des Fotos selbst: von optisch verhallten, durch das Offenstehen der Blende und die Präsenz der Unorte verwischten Konturen von Menschen, Passanten die wieder zu BeobachterInnen der Räume auf der gegenüberliegenden Seite der Bilder werden. Die Vergewisserung dieser anderen Präsenz im Bild, im Raum wird für den Betrachter, die Betrachterin zum Spiel zwischen dem Blick der statisch postierten Kamera und dem, was vor ihr zu verschwinden scheint. Diese Paradoxie ist es, die aus den Fotos das Gefühl einer radikalen Konditioniertheit dieser Nicht-Orte evoziert. Smithson hatte seine soziale, kulturelle Kritik an der Beobachtung, an der Betrachterposition immer auch mit körperlichen und physiologischen Aspekten argumentiert. Auch bei Litschauers non-sites-Fotos geht es um tiefe kulturelle Verwurzelungen von Wahrnehmungsmustern in Raum- und Subjektvorstellungen von Moderne und Modernismus. Die abgebildeten Räume sind Anti-Räume, ins Negative verkehrte Figuren von den planerischen Utopien der „verkehrstüchtigen“ modernen Großstadt. In den medialen Bildern von diesen Räumen vereinen sich sowohl Vorstellungen von der körperlichen als auch von der psychischen Konditioniertheit der Subjekte. In Litschauers fragil und ungeschützt präsentierten Tableaux weiten sie sich gleichsam wieder in einen unendlichen undefinierten, allgemeinen Raum oder ziehen sich – metaphorisch – auf den kleinstmöglichen innerhalb der Körpergrenzen liegenden Raum zusammen, einen Spalt, in dem die Subjekte eingepanzert zu sein scheinen, während sie die Korridore und Fluchten der Nicht-Orte durchschreiten. Litschauers Verflüchtigungen, ihre passageren Objektivierungen des Körpers kehren den gewöhnlich abgestoßenen, kulturpessimistischen Blick auf diese Orte geradezu ins Positive um. Ihre Fotografie baut eine fragile Brücke zwischen Beobachtung und Beobachtetem, oszilliert zwischen objektiven und subjektiven Motiven sowie der körperlichen Beschreibungen des Realen. |
Arcades, passageways, underpasses, corridors, staircases; transversals built of the signifiers of the periphery: concrete, tar, steel, tiles, earthenware, … Non-sites, places, where ohne does stay, or only precariously; places where the social withdraws, as it were, into the subjects roaming, passing through these flights of spaces. In her series of photographs entitled non-sites, Maria Theresia Litschauer enters a terrain that stands for the duality of city-nature in unnumerable movie and television narratives. Architectural formulas of civil engineering, from the edges of the city, telling of transportation, production of deviance, bodies in motion, afterimages of feeling totally subordinate to space and its disposition – this is what these photographs precisely frame. In the mediatized description of urban spaces, these sites figure as disturbing, devoid of any agreeable position in or around them, as corridors of physical distrust, climaxes of escape and pursuit, whereabouts of the non-integrated, those who defy the “middle of the road”, and those predestined for fantasies of surveillance and exclusion. The cold, often meager light that floods through them is oppressive, makes one uneasy, prompts hastiness. In the title of her new photo work, Maria Theresia Litschauer, who makes this light a leading actor in her series, refers to Robert Smithson’s famous notion of non-site. In the context of that artistic theory, Smithson spoke of spatial transfers, with non-site denoting a place within pointing to an absent exterior. In Litschauer’s photographs this dislocation, this shift of place happens on a different level. Viewers turn into the beholders of something transient in the space of the photograph itself: contours of people, visually fading away, blurred by the open shutter and the presence of non-sites, passers-by who in turn become observers of the spaces on the other side of the pictures. Ascertaining this other presence in the picture, in space, becomes a game for the viewer between the gaze of the static camera and that which seems to disappear before it. It is this paradox that evokes the feeling that these non-sites are radically conditioned. In his social and cultural critique of observation and of the viewer’s position, Smithson always gave bodily and physiological aspects a place in his arguments. Litschauer’s non-sites photographs are also about the deep cultural roots of perceptual patterns in the notions of space and subject derived from modernity and modernism. The spaces depicted are anti-spaces, negatively inverted forms of the utopian planning of a “traffic-effient” moden metropolis. In the mediatized pictures of these spaces ideas of the corporeal as well as psychical conditioning of subjects are united. In Litschauer’s fragile and unprotected tableaux, they expand again, so to speak, into infinite, undefined general space or, metaphorically speaking, they contract into the smallest space possible within the confines of the body, a fissure wherin the subjects seem to be encased while they stride through the corridors and flights of non-sites. Litschauer’s volatilizations, her transient objectifications of the body virtually invert the usually repelled and culturally pessimistic gaze onto these sites into something positive. Her photography builds a fragile bridge between observation and observed, oscillating between objective and subjective motifs and the corporeal description of the real. |